Eigenlob aus fremden Mündern

Über die Erhabenheit toter Katzen und das Umwerben trauriger Mädchen (ich brauche selbst immer kurze Bedenkzeit, bis ich den vollständigen Titel aufsagen kann) ist seit Anfang Juli im Umlauf und kann von Menschen gelesen werden. Manche Menschen lesen das Buch tatsächlich, und es gefällt ihnen sogar. Davon zeugen die schönen Rezensionen der letzten Wochen, die ich im Rausch meiner Selbstgefälligkeit hier kurz aufzählen möchte, weil sie so schön sind und weil ich darin vorkomme, und auch, weil ich durch manche Punkte, die die einzelnen Kritiken hervorheben, erst gelernt habe, mein eigenes Buch richtig zu lesen. Der Autor taugt ja bekanntlich nicht zum Leser. Mehr so zum Golfspieler und Weintrinker und Großwildjäger.

Regalschleicher nennt das Buch zum Beispiel „eine Detektivgeschichte ohne Mordfall“, lobt die „Sympathie für eigenwillige Charaktere, die ihren skurrilen Hobbies mit einer Ungerührtheit nachgehen, als würden sie sich ihre morgendliche Tasse Tee kochen“ und findet noch manch anderes wohlmeinendes Wort dafür.

Holger spricht auf E-Book-Fieber von der „Entdeckung der Liebe“ und freut sich angesichts meines Geburtsdatums, dass das Buch kein Wende-Buch geworden ist. Da freue ich mich auch, weil Wende-Bücher finde ich meistens blöd. Grade noch mal davongekommen. Auch hier ist in anderer Form von der Selbstverständlichkeit des Ungewöhnlichen die Rede: „Bizarre Menschen darzustellen, die bizarre Dinge unternehmen, ist ganz offensichtlich Multhaupts Stärke.“ Und die war mir gar nicht so richtig klar, diese Selbstverständlichkeit. Und da musste ich dann erst mal drüber nachdenken. Und Nachdenken finde ich schön.

Biggi Rohm von Fudder hält das Buch schmeichelhafterweise für „eines der 12 Bücher, die Du in diesem Sommer lesen solltest“ (wohl dem, der im Sommer genug Zeit für zwölf Bücher hat). Es sei „ein bisschen morbide, seltsam und poetisch“ und „perfekt für einen Spätsommernachmittag.“

Leider ist der Sommer ja nun kalendarisch betrachtet schon vorbei. Macht aber nichts. Man kann es auch an einem der letzten warmen Herbsttage noch lesen, findet Ralf Steinberg vom Fantasy-Guide, nennt es eine „bezaubernde Liebesgeschichte“ mit „phantastischen Schlenkern“ und beschwört den Geruch feuchter Blätter und das große Wort Coming of Age herauf. Nebenher erwähnt er auch lobend das (wirklich) wunderschöne Cover von Nicole Altenhoff.

Edith Oxenbauer empfiehlt das Buch auf T-Art insbesondere lesenden Eltern, um die Erinnerung an die eigene Pubertät, diese „sehr emotionale Welt“, wieder aufzufrischen – worüber ich mich ganz besonders freue, kommen doch schließlich die Elternfiguren in der Geschichte nicht allzu positiv weg. „Nicht lachen“, mahnt sie im Hinblick auf die (natürlich überbordend kitschigen) romantischen Phantasien, in denen mein Protagonist Jan schwelgt. „Wer meint, er wäre während seiner Pubertät bei klarem Verstand gewesen, hat diese wahrscheinlich […] vergessen.“ Das stimmt wohl. Aber lachen darf man trotzdem ruhig, sowohl um Sympathie, als auch, um Distanz zu bekunden. Da bin ich gar nicht böse drum.

So. Jetzt fühle ich mich reichlich gebauchpinselt und überaus dankbar, dass es Leser gibt, die besser zu Lesern taugen als ich, und kann mit der Arbeit weitermachen.

Oder vielleicht lerne ich erst mal Golf spielen.

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