Wie ich zu Weihnachten einmal nach England fliegen sollte.

Also, es war kurz vor Weihnachten, und ich war zu Hause und hatte eine Ordnermappe, in der ich die Weihnachtsgeschenke für die Familie verwahrt habe, die war ein bisschen wie ein mehrlagiger Koffer, aber trotzdem eben nur so groß wie eine Mappe, jedenfalls meistens, machmal war sie auch so groß wie ein Koffer, vor allem, wenn man Bettwäsche unterbringen wollte, und trotzdem war sie auch ein bisschen wie ein Regal, man konnte nämlich zum Beispiel Kindlers komplettes Literaturlexikon (25 Bände) reinstellen, oder reinlegen, oder was weiß ich, und die Mappe danach ganz normal zuklappen, und sie war nicht mal besonders schwer.

Es war also kurz vor Weihnachten, aber mir war etwas mulmig zumute, weil ich nach den Feiertagen eine Bildungsreise nach England machen sollte, und wir hatten keinen Flug gebucht, sondern ich sollte mit einem fliegenden Teppich  über den Kanal, und ich dachte, was, wenn ich reinfalle oder drüben den Anschluss an meine Gruppe verpasse, weil ich zu spät komme oder ganz woanders lande, aber meine Mutter hat gesagt, nein, kommt nicht in Frage, du fliegst mit dem Teppich. Den hatten wir auch schon zu Hause, den Teppich, der war ein paar Tage zuvor geliefert worden, aber irgendwie hatte das bisher niemand für erwähnenswert gehalten, und an Heiligabend hab ihn dann ausprobiert. Am Anfang schwebte er immer gleich an die Decke hoch, wie ein Heliumballon, und ich konnte mich nicht draufsetzen, das nervte ein bisschen. Aber irgendwann hatte ich den Dreh dann raus und es ging doch noch ganz gut mit dem Fliegen, ich saß nur sehr unsicher auf dem Ding und bin ständig in irgendwelche Türrahmen geflogen, aber ein fliegender Teppich ist ja auch nicht fürs Haus gedacht.

Da habe ich ihn dann draußen ausprobiert, und auf einmal passte meine ganze Familie drauf, ich weiß nicht wie, vorher war er viel kleiner und wir haben einen Probeflug zum Buchhaus am Markt unternommen, und das war auch in Ordnung, nur der blöde Teppich hat den längsten und umständlichsten Weg genommen und war auch noch ziemlich langsam. Im Buchhaus am Markt wollte ich  in letzter Minute noch ein Weihnachtsgeschenk für meinen Bruder kaufen, weil ich das peinlicherweise vergessen hatte, und dann habe ich gemerkt, ich habe ja auch noch drei kleine Schwestern, und ich habe mich gewundert, dass mir das all die Jahre entgangen war und warum ich denen eigentlich noch nie was geschenkt habe, und ich bin zu der Einsicht gelangt, dass sie wahrscheinlich einfach nicht so wichtige Figuren seien und Süßigkeiten schon reichen würden, und dann bin ich aufgewacht und mir blieb zum Glück der Teppichflug über den Ärmelkanal erspart, aber ein Geschenk für meinen Bruder muss ich immer noch kaufen, weil nämlich, der hatte unlängst Geburtstag. Träume.

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