Woher Schriftsteller ihre Ideen bekommen

„Erzähl mir eine Geschichte“, sagte der Schriftsteller und schob dem Kneipier unter einem Bierdeckel verborgen einen Geldschein zu. Der Kneipier schaute sich vorsichtig um. Die Kneipe war leer, es war spät, beim einzigen Gast außer dem Schriftsteller handelte es sich um  einen kleinen, traurigen alten Mann, der am Ecktisch seinen Rausch ausschlief, und so beschloss er, das Bestechungsgeld gefahrlos annehmen zu dürfen.

„Ich bin eigentlich nicht dazu befugt, wissen Sie“, murmelte er, indem er den Geldschein an sich nahm und ihn schnell in seiner Schürzentasche verschwinden ließ.

„Ja, ich weiß“, sagte der Schriftsteller, „ich weiß.“

„Sie sollen schließlich von selbst darauf kommen.“

„Ich weiß“, wiederholte der Schriftsteller und zog, um dem zögerlichen Kneipier auf die Sprünge zu helfen, noch einen weiteren Geldschein hervor. Er hatte nicht viel Zeit.

„Wozu wären Sie sonst überhaupt da?“, fragte der Kneipier und nahm den zweiten Schein dankend entgegen. „Nichts für ungut“, schob er angesichts dieses neuerlichen Wohltätigkeitsbeweises rasch hinterher.

Der Schriftsteller vollführte eine exkulpierende, aber ungeduldige  Geste. „Erzähl schon“, sagte er und warf einen Blick auf die Armbanduhr. Es war lange nach Mitternacht. In der Ecke brummte der alte Mann mit einer Behaglichkeit, die nicht so recht zur verwitterten Lebensfreude auf seinem Gesicht passen wollte, als der Kneipier seine Geschichte begann.

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